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Referees (auch) für schwere Zeiten gesucht

08.01.2020

Schiedsrichter-Ausbildung startet am 13. März

Neulingslehrgang der Bodensee-Schiris ab 13. März in Stockach

 

Entgegen der in den letzten Jahren üblichen Praxis findet der Schiedsrichter-Lehrgang des Bezirks Bodensee 2020 nicht im Januar statt, sondern erst im März. Die Anregung hierzu kam von Bezirkslehrwart Dario Litterst, der nicht zu Unrecht darauf hingewiesen hat, dass die neuen Anwärter für das Amt des Fußball-Referees dann zeitnah zu den ersten Einsätzen eingeteilt werden können. Das bei der Ausbildung geförderte Interesse bleibt stärker erhalten als bei einer zweimonatigen Pause. Somit findet der Neulingslehrgang der SR-Vereinigung Bodensee diesmal in der Zeit vom 13. bis 28. März 2020 (dreimal Freitagabend, dreimal Samstag ganztags) im Nellenburg-Gymnasium Stockach statt. Änderungen der Termine/des Ortes bleiben vorbehalten. Teilnehmer müssen in der Regel spätestens im April 2020 das 14. Lebensjahr vollenden.

Anmeldungen sind möglich bei SR-Bezirkslehrwart Dario Litterst per Post (Oberstr. 11, 78239 Rielasingen-Worblingen) oder per E-Mail (blw-bodensee@online.de). Für Anfragen steht er zur Verfügung unter Telefon 0173-28449318.

 

An die 8.000 mal drückte Schiedsrichtereinteiler Norbert Wassmer (Meersburg) 2019 an seinem PC die Enter-Taste und im gleichen Moment erhielt einer der hiesigen Schiedsrichter per elektronischer Post einen Auftrag zu einer Spielleitung, zu einer Schiedsrichterbeobachtung oder zum Auftrag, einen jungen Schiri auf den ersten Stapfen seiner Laufbahn unter die Fittiche zu nehmen. Eigentlich wäre es ja „nur“ so ungefähr 7.000 Aufträge gewesen, aber jeder siebte Auftrag kam zurück, weil der Empfänger aus irgendeinem Grund nicht zur Verfügung stand. Also musste der Auftrag ein zweites, drittes, ... Mal eingeteilt werden, bis er angenommen wurde. Und auch wenn die SRVgg Bodensee im vergangenen Jahr zwischen 260 und 300 Mitglieder hatte, ist diese Zahl irreführend. Es sind gerade mal 200 Unparteiische, auf die der Einteiler seine „Gunst“ verteilen kann. Da diese aber teilweise auch noch selbst spielen, krank sind oder aus anderen Gründen nicht einsetzbar, spricht Wassmer nicht vom Schiedsrichtermangel, sondern vom „Verfügbarkeitsmangel“. Es gab Tage, da standen höchstens 70 Spielleiter für bis zu 90 Spiele zur Verfügung. Nur die Tatsache, dass Schiedsrichter dann auch mehr als ein Spiel übernehmen, sorgte dafür, dass Vereine nicht noch mehr Spiele selbst leiten mussten.

 

Es gibt viele Gründe der Ablehnung, die heutzutage vorgebracht werden, wenn man neue Schiedsrichter gewinnen will. Einer davon ist der Umgang, der den „Mann mit der Pfeife“ erwartet, wenn er seinem Hobby nachgeht. Zum Glück blieben am Bodensee die ganz großen Ausschreitungen aus, aber das macht die Angelegenheit nicht besser. Was verbal als Beleidigung rüberkommt, eskaliert gerne auch mal zur Bedrohung oder zum Angriff, das geht schnell. Ob Spieler, Trainer oder sonstiger Teilnehmer, macht dabei wenig Unterschied. Und mancher ehrbare Elternteil würde (hoffentlich) vor Scham in Grund und Boden versinken, könnte er/sie sich selbst bei seinem Verhalten zuschauen.

 

Die Vereine sind in der Pflicht, an den Zuständen auf den Sportplätzen zu arbeiten, um einen menschenwürdigen Umgang zu gewährleisten. Sie sind aber auch in der Pflicht, geeignete Teilnehmer zu finden, die sich zum Schiedsrichter ausbilden lassen. Es ist nämlich ein Irrglaube, wenn ein Club meint, „der Verband“ müsse sich darum kümmern, dass genügend Unparteiische zur Verfügung stehen. Die Schiedsrichtervereinigungen können nur die Willigen einsetzen, die von den Vereinen gestellt werden. Ansonsten ist die Konsequenz eben, dass immer mehr Partien durch einen Betreuer, Vorstand oder Spielervater gepfiffen werden müssen.

Noch dauert es bis zum Beginn des Lehrgangs mehr als zwei Monate, genug Zeit also für die Vereine, sich nach geeigneten Teilnehmern umzuschauen. Von Teilnehmer“innen“ zu sprechen, scheint unnötig. Die Fußballerinnen wollen verständlicherweise bei ihrem Sport gleichberechtigt und gleichwertig behandelt werden, Schiedsrichterin werden will aber (leider) kaum eine - Ausnahmen bestätigen die Regel. Für Anmeldungen und Rückfragen steht wie eingangs erwähnt Bezirkslehrwart Dario Litterst zur Verfügung.

 

Foto: Wie werde ich Schiedsrichter?